Modellprojekt „Ausbildung stärken - Nachwuchskräfte binden d1g1tal“

Ausbildungsabbrüche sind im Berliner SHK-Handwerk keine Seltenheit. Bereits 2013/2014 hat die Innung SHK Berlin in einer eigenen Erhebung festgestellt, dass sich unmittelbar vor der Gesellenprüfung etwa die Hälfte der Auszubildenden nicht mehr in Ausbildung befindet. Nicht zuletzt aufgrund der intensiveren Kooperation zwischen Ausbildungsbetrieben, Berufsschule und Innung bzw. überbetrieblichem Kompetenzzentrum konnte die Zahl der vorzeitigen Vertragslösungen in den folgenden Jahren spürbar gesenkt werden. Dennoch wollte die Innung dem Problem systematisch und nachhaltig begegnen und hat die beiden Modellprojekte „Ausbildung stärken – Nachwuchskräfte binden“ (2018/2019) und „Ausbildung stärken – Nachwuchskräfte binden plus“ (2020/2021) initiiert. Seit dem 1. Juli 2021 fördert die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales das modifizierte und um den Aspekt der Digitalisierung erweiterte Folgeprojekt "Ausbildung stärken - Nachwuchskräfte binden  d1g1tal".

  • Praxisorientiertes Modellprojekt zur Reduzierung von Ausbildungsabbrüchen

    Die Ausbildung Anlagenmechaniker*in SHK zählt in Berlin nach wie vor zu den Lehrberufen mit der höchsten Zahl an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Handwerk. Dennoch gehört dieser Ausbildungsberuf berlin- und bundesweit zu den ausgewiesenen Engpassberufen. Dem stetigen Anstieg von Ausbildungszahlen stehen (weiterhin) hohe Abbruchsquoten gegenüber. In Berlin beträgt die vorzeitige Vertragslösungsquote für Anlagenmechaniker*innen ca. 40% - im Vergleich werden bundesweit über alle Ausbildungsberufe hinweg ca. 25% der Berufsausbildungsverträge vorzeitig beendet.

    Die Innung will diesem Problem nachhaltig begegnen und hat 2018/2019 das Modellprojekt „Ausbildung stärken - Nachwuchskräfte binden“ (AS-NB), gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Soziales, durchgeführt. Übergeordnetes Ziel des Modellprojektes war die Reduzierung von Vertragslösungen und Ausbildungsabbrüchen für den Beruf Anlagenmechaniker*in SHK. Das Nachfolgeprojekt „Ausbildung stärken - Nachwuchskräfte binden“plus (AS-NBplus) verfolgte dieses Ziel weiter und entwickelte eine Reihe von praktischen Maßnahmen und Publikationen. Mit dem modifizierten Folgeprojekt "Ausbildung stärken - Nachwuchskräfte binden d1g1tal" gerät der Aspekt der digitalen Unterstützung von Lern- und Lehrprozessen zur Verhinderung der Vertragslösungen stärker in den Fokus.


  • Wissenschaftliche Fundierung der Ursachensuche und Maßnahmenplanung

    Um praxisnahe Lösungen zu entwickeln wurden mittels einer empirischen Studie (qualitative Interviews und standardisierte Befragungen) die Ursachen für vorzeitige Vertragsauflösungen ermittelt. Zahlreiche Bedarfe an Veränderungen wurden analysiert, kategorisiert und in die drei Arbeitsbereiche „Onboarding“, „Ausbildungspraxis“ und „Wertschätzung“ überführt. Der entsprechende Maßnahmenkatalog enthält Instrumente zur Sicherung und Unterstützung der Ausbildungsqualität in den Handwerksbetrieben.

    Das Projekt geht davon aus, dass zwischen Ausbildungsbetrieben und Azubis Passungen aktiv herzustellen sind. Das bedeutet, gezielt das Engagement der Ausbildungsbetriebe zu unterstützen und die Motivation der Azubis zu fördern. In den Jahren 2020/2021 wird in Kooperation mit den Ausbildungsakteur*innen das umfassende Instrumentarium (Broschürenreihe, Workshops und Seminare, digitale Tools) weiterentwickelt und in der Praxis auf Wirksamkeit geprüft.


  • Praxistest von Maßnahmen sowie Generalisierung und Transfer der Ergebnisse

    Im Praxistest werden die verschiedenen Maßnahmen auf Alltagstauglichkeit und Wirksamkeit geprüft. Die Instrumente werden je nach Erfordernis neu justiert und schließlich auf Generalisierbarkeit geprüft. Die folgenden Maßnahmen befinden sich in Umsetzung und Erprobung.

    Das Maßnahmenbündel konkretisiert sich erstens in einer vierbändigen Reihe von Ausbildungsbroschüren mit Tipps und Empfehlungen zum Ausbildungsstart, zu Themen der Wissensvermittlung und Konfliktlösung u.v.m. Zweitens werden digitale Tools bereitgestellt, etwa Instrumente zur digitalen Lernunterstützung der Azubis und ein Selbsttest der Ausbildungsqualität für Betrieben. Drittens werden Veranstaltungen konzipiert, wie eine Schulung von Ausbildergesell*innen und Workshops zu Konfliktmanagement.

    Projektübergreifend werden Expert*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Handwerk einbezogen, um den Transfer von Maßnahmen zu erkunden und zu begleiten.